Chronik der Karnevalsgesellschaft  

"Löstige Junge"von 1909 Köln-Worringen

 

Das Jahr 1908 ging gerade dem Ende zu und die Statistiker veröffentlichten die ersten Hochrechnungen. So kam man darauf, dass in Köln jährlich 80. 970. 000 Liter Bier getrunken werden.  Davon entfielen auf alle  60 Brauereien in  Köln  ein  Ausstoß von 53. 109. 000  Liter. Gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 125 Litern trank der Kölner durchschnittlich 267,5 Liter Bier pro Jahr.

In dieser Zeit war man gerade dabei, Worringen an das Stromnetz für Licht und Kraftwerke anzuschließen, als sich am 1. Januar 1909 acht Männer in der Gaststätte "Beim Amerikaner" zusammensetzten um eine Karnevalsgesellschaft zu gründen.          

Folgende Herren unterzeichneten die Gründungsurkunde um 11:11 Uhr Gottfried Zimmermann, Peter Boes, Mathias Fischer 1., Mathias Fischer 2., Johann Hüsch, Mathias Winter, Heinrich Schall, Mathias Jehnen. Als äußeres Kennzeichen wählte man die Farben "blau-weiß" und den Leitspruch "Humor und Scherz erfreut das Herz". Als ersten Präsidenten ernannte man Gottfried Zimmermann. Schon im Gründungsjahr stellte die neue Karnevallsgesellschaft bereits einen Wagen im Rosenmontagszug unter dem Motto "Tünnes als Prinz Karneval".

 So wurde in diesem Jahr der Kanal am Schmalen Wall gebaut. Dort war bis dahin der alte Wallgraben, der die Abwässer aufnahm. Auch kam zum ersten Male das Luftschiff "Zeppelin" über Worringen.

Das Jahr sollte jedoch noch weitere große Dinge mit sich bringen. So wurde am 7. März die neue Eisenbahnbrücke (Hohenzollernbrücke) für den Zugverkehr freigegeben. Die Stadtverordneten genehmigten die Eingemeindung von Kalk und Vingst. Eine Polizeiverordnung tritt am 8. Februar in Kraft und ab sofort muss jeder, der ein Kfz führen will, eine Prüfung ablegen. Die 1015 Zentner Domglocken erhalten ein elektrisches Läutwerk: Zum Läuten der fünf großen Glocken waren bisher 51 Männer erforderlich. Graf Zeppelin landet in Bickendorf und Tausende bereiten ihm einen stürmischen Empfang. Am 22.07.1909 stirbt der Gründer der "Plattkölnischen Heimatbühne" Wilhelm Josef Millowitsch.

Seit der Gründung der KG "Löstige Junge" wirkt die Gesellschaft alljährlich eifrig im Rosenmontagszug in Worringen mit. Im Zug 1910 überraschen sie mit dem Wagen "Auskunftsbüro" und der Fußgruppe Flugmaschine "Modell Bleriot". In der Session 1910/1911 wurde Matthias Jehnen als erster Prinz der Gesellschaft gewählt und präsentierte sich im Rosenmontagszug in einem herrlichen Blumenwagen.

Benhard Jansen übernahm 1911 das Amt des Präsidenten, welches er jedoch schon 1913 an Matthias Fischer übergab. Dieser führte die Gesellschaft bis 1921.

Beim Rosenmontagszug im Jahre 1912 unter dem Wagenmotto "Original Kölsch Hänneschen-Theater" vollzieht man die Weihe der neuen Gesellschaftsfahne mit einem feucht, fröhlichen Festakt. Dazu heißt es im Protokoll: Vor unserem Stammlokal begann der Festakt. Die Musik spiele die Ofen-Türe von Willi Osterman (die Wienands han ne Has em Pott), der Präsident hielt eine markerschütternde Rede und dann fiel die letzte Hülle. Et wor alles baff. Darauf sang der achtstimmige Sängerchor "Dat is dä Jupp vum Kegelclub, mer wäde nit mie got, sulang dä Fastelovend dot" So endete die Feier. Die Fahne wurde bläck durch et Dörp gedräht.

 Das Aufblühen der jungen Karnevalsgesellschaft wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges ab 1914 jäh unterbrochen. Es geschah in und um Köln eine ganze Menge.

So führte Anfang 1911 die Sparkasse den Scheck und Giroverkehr ein. Etwas ganz neues glaubt so mancher. Stimmt nicht, schon die Römer hatten den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Im Februar des gleichen Jahres zeigt Apollo Kino den "Boxkampf zwischen Tünnes und Schäl" als "Gipfel aller Komik".

Kaiser Wilhelm 2., Kaiserin Auguste Viktoria und Prinzessin Viktoria Luise weihen die neue Hohenzollernbrücke ein. Gleichzeitig wird das Reiterstandbild Kaiser Friedrichs 3. enthüllt. Am 14. Februar erklingt erstmals das Glockenspiel auf dem Rathausturm.

 "Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung und acht Stunden Schlaf". So lautete eine der wichtigsten Forderungen der Arbeiterbewegung seit der Jahrhundertwende. Noch immer beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit der Beschäftigten zwölf Stunden. Ein beliebtes Sonntagsvergnügen der Ledigen ist der Besuch von Tanzlokalen, wo man für 10 Pfennig Eintritt dem anderen Geschlecht näher treten kann. Wie nah, zeigt 1913 ein

Behördenerlass : Die als anstößig empfundenen "Schieber- und Wackeltänze" werden kurzerhand verboten.

 23. Februar 1914. Tausende Schaulustige kommen in Sonderzügen zum Rosenmontagszug nach Köln. Hunderte säumen vor Beginn des Rosenmontagszuges in Köln den Zugweg in Worringen. Niemand kann indessen in diesen Tagen der Session 1914 ahnen, dass in den nächsten Jahren kein Rosenmontagszug mehr stattfindet. Im Weltkrieg verbietet sich das karnevalistische treiben quasi von selbst, obgleich der Festungskommandant im Februar 1915 das " Tragen von Verkleidung und karnevalistischer Abzeichen verbieten muss ". Nach Kriegende stehen die englischen Besatzungsbehörden, aber auch Reichsregierung und der Kölner Stadtrat dem "Fastelovend" ablehnend gegenüber. Auch nach 1918 gilt so das Verbot aller karnevalistischen Veranstaltungen. In einer Reihe von Karnevalsgesellschaften versucht man in dieser Zeit altes Brauchtum wiederzubeleben - sozusagen, Karneval als Haustest-. Erst im Jahr 1927 findet dann wieder ein Rosenmontagszug in Köln statt.

 Auch bei der Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge". Hier fand man sich bereits 1919 zu Versammlungen und internen Feiern zusammen, die jedoch nichts mit der Präsentation nach außen zu tun hatte.                    So übernahm 1921 bis 1924 Heinrich Schall das Amt des Präsidenten und führte die KG geschickt durch die Zeit.

Auftakt und Neubeginn des Vaterstädtischen Festes war die 11. im 11. Feier der Session 1926/27, die gemeinsam von der Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" und der KG "Immerfroh" ausgerichtet wurde. Initiator für den Neubeginn im Geschäftsleben, aber ebenso auch Mitgründer der        " Vereinigten Karnevalsgesellschaften von 1927 " war Matthias Fischer. Als Karnevalsliterat hatte er sich zu dieser Zeit bereits einen Namen gemacht und bestieg als Krönung seiner karnevalistischen Laufbahn in der Session 1926/27 den Prinzenthron. In der Zeit von 1924 bis 1927 hatte Gottfried Zimmermann noch einmal das Amt des Präsidenten übernommen.

Aber noch einige Ereignisse bewegten die Worringer. Am 1.April 1922 wurde die Bürgermeisterei Worringen mit den Dörfern Feldkassel , Fühlingen, Kasselberg, Langel, Merkenich, Rheinkassel, Roggendorf, Thenhoven und Weiler in die Stadt Köln eingemeindet. Um Widerstände gegen die Eingemeindung zu unterlaufen, die sich in einer Worringer Bürgerbewegung regten und vom zuständigen Landrat erwartet wurden, trieben Oberbürgermeister Konrad Adenauer sowie der Bürgermeister von Worringen das Verfahren mit größter Eile voran. Dabei nutzte Adenauer seine Ämter als Vorsitzender des Provinzialausschusses und als Präsident des Stadtrates geschickt aus und setzte die staatliche Genehmigung seines Eingemeindungsantrages zügig durch.

Everhard Först leitete von 1927 bis 1934 die Geschicke der Gesellschaft als Präsident . Jedoch schon am 25. Oktober 1929 wurden erneut viele Bürger Kölns in Not und Elend gestürzt. Die Wirtschaftskrise brachte viele Massenentlassungen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt unaufhaltsam. Fast jede 3.Erwerbsperson ist ohne Arbeit. Jedoch die echten Karnevalisten machten weiter mit ihren Aktivitäten. Für manch einen die einzige Möglichkeit wieder einmal zu lachen. Zusammengehörigkeitsgefühle entwickelten sich immer stärker und der Wunsch gemeinsam etwas zu schaffen. Sei es Spaß an der Freud.

In der Session 1929/30 wurde wiederum ein "Löstige Jung" Prinz Karneval. Es war Matthias Jansen, der bereits schon einmal in der Session 1905/06 für die Karnevalsgesellschaft  "Ohne Klüngel", den Prinzenthron belegt hatte und nun als Matthias 2. -ein Novum im Worringer Karneval - erneut das Narrenzepter schwang. Ihm folgten aus der Gesellschaft die Prinzen Willi Lüdorf in der Session 1933/34 und Willi Auweiler in 1937/38.

Nachdem 1933 die Nationalsozialisten diktatorisch die politische Macht übernommen hatten, war es für die Vereine schwer, sich der politischen Gleichschaltung zu entziehen und die Rosenmontagszüge nicht zum Träger und Propagandisten des politischen Ungeistes missbrauchen zu lassen. Jedoch ist auch an vielen Stellen zu lesen, dass die Karnevalisten sich dem Zugriff der Politiker zu entziehen verstanden. Das Singen und Lachen verging den Kölnern in den folgenden sechs Kriegsjahren was keineswegs ausschließt, dass es gerade die Lebensbejahende, allem Fatalismus widerstrebige humorige Art der Kölner war, die über manchen Verlust hinweghalf und trotz totaler Zerstörung sehnsüchtig wieder "zo Foß noh Kölle" ziehen ließ.

Nennen wir aus der Zeitgeschichte von 1933 bis 1945 nur einige Schlagzeilen, die verdeutlichen welch harte Zeit die Bürger durchmachten. Sicherlich gibt es noch einige Worringer, die sich hieran erinnern. Die Lokale Presse verharmlost "brauner Spuk". NSDAP wird auch in Köln stärkste Partei. Nazi Terror im Wahlkampf. Geheimtreffen Hitler-Papen. Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, wird abgesetzt. Nationalsozialisten organisieren Boykott gegen Juden. Bücherverbrennung vor der Universität. Frau als Hüterin der deutschen Zukunft. Gewerkschaften in Köln zerschlagen. Dies sollte genügen. Ein jeder, der diese Zeit mitgemacht hat, weiß mit Sicherheit mehr über dieses traurige Kapitel der Weltgeschichte zu berichten.

 Am 6. August 1936 stirbt im Alter von 59 Jahren der Kölner Sänger und Komponist "Willi Ostermann". Sein Lied "Heimweh nach Köln", welches er kurz vor seinem Tod verfasste, hat vielen Kölnern immer wieder neuen Lebensmut gegeben. Auch heute noch sind seine Lieder nicht mehr aus dem Fastelovend Fortzudenken. Überall, selbst in fernen Ländern pflegt man Ostermanns Liedergut.

 In den 30er Jahren boten die "Löstige Junge" einen Sitzungskarneval, der auf einem sehr hohen Niveau stand. Dank dem Literarischen Können von Matthias Fischer und weiteren ausgezeichneten Gesangskräften erlebte die Gesellschaft eine Blütezeit. Der Felder von Mäte Mattes, aber auch ebenso seine vielseitigen Talente als Vereinsmensch, hat die Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" viel zu verdanken.

 1934 feierte die Gesellschaft unter dem Präsidenten Mathias Jansen, der dieses Amt bis 1937 innehatte, das 25jährige Jubiläum und demonstrierte dies mit einem zusätzlichen Jubiläumswagen im Rosenmontagszug. Schon im darauffolgenden Jahr überraschten die "Löstige Junge" erneut die Bürger Worringens. Änne Laubach, die Tochter von Mäte Mattes und bekannt als Mäte Änn trat als erstes Worringer Tanzmariechen auf. Bis 1951 begeisterte sie in gekonnter Manier mit ihren Tänzen die Worringer Karnevalswelt.

Abermals bahnte sich eine Katastrophe an. 16.045 Personen sind in Köln ohne Arbeit. Am 24. Januar 1938 ordnet die Stadtpolizeistelle Köln die Auflösung des katholischen Jungmännerverbandes an. Der Festausschuss des Kölner Karnevals musste sich das erste Mal den Nationalsozialisten beugen.

Am 1.Februar, einem für den Kölner Karneval großer Traditionsbruch, erstmals in der Geschichte des Kölner Karnevals musste die Kölner Jungfrau aus dem närrischen Dreigestirn von einer Frau dargestellt werden. In einer anderen Angelegenheit können sich die rheinischen Narren jedoch erfolgreich der nationalsozialistischen Beeinflussung widersetzen. Im Sommer 1937 wurde der Festausschuss aufgefordert, den Kölner - Karneval in die NS - Gemeinschaft "Kraft durch Freude" einzugliedern, wie es in anderen Städten bereits geschehen war. Dies wurde erfolgreich verhindert.

5. Juni 1288 die Schlacht von Worringen-Niederlage des Erzbischofs bringt den Kölnern die faktische Stadtfreiheit. In der Schlacht unterliegen der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg und seine Bundesgenossen der Koalition um Herzog Johann von Brabant. Damit ist der Limburger Erbfolgestreit entschieden. Die Stadt Köln, die auf der Seite der siegreichen Partei Johannes gekämpft hatte, hat einen großen Schritt in Richtung politische Unabhängigkeit getan. Bürger und Bauern entscheiden die Schlacht.

 Aber gehen wir weiter in der Zeitgeschichte. Es kam Terror und Gewalt gegen jüdische Bürger auf. Jüdische Ärzte werden per Gesetz mit Berufsverbot belegt. Die Zeichen stehen auf Sturm. Am 16. Februar 1939 wird der Willi Ostermann Brunnen enthüllt. Propagandaminister Joseph Goebbels wird am 20. Mai Ehrenbürger Kölns. Die letzte Volkszählung ergab 768.352 Einwohner, darunter befinden sich noch 8.000 Juden. Die Kölner erleben den letzten Friedenssommer.

 Auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Festausschusses Kölner - Karneval am 9. November 1939, teilte der damalige Vorsitzende Thomas Liessem mit, dass wegen des Kriegsausbruchs bis auf weiteres auf jede karnevalistische Betätigung verzichtet werden muss. Man dachte hier so an ein Jahr. Jedoch ruhte infolge des 2. Weltkrieges von 1939 bis 1945 jedes Vereinsleben. Der Krieg hinterließ seine grausamen Spuren, Schutt und Asche, Tod und Elend; eine schlimme Zeit.

 Am 6. März 1945 marschierten US-amerikanische Truppen in Köln ein. Mit der Einsetzung einer neuen Stadtverwaltung, unter der Leitung von Willi Suth, beginnen die Aufräumarbeiten in Köln und dem Umland, 262 Bombenangriffe hatten die Stadt in Schutt und Asche gelegt. Auch in Worringen, wo viele aus der Innenstadt hin geflüchtet waren, konnte man die Spuren des Krieges erkennen. Viele Bürger wurden vermisst, Familien waren auseinandergerissen und es gab auch hier viel Leid zu beklagen.

Unter Berücksichtigung der verheerenden Auswirkungen des Krieges war es erstaunlich, dass die Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" schon am 27. Januar 1946 eine Generalversammlung einberief, auf welcher Johann Jansen erneut zum Präsidenten gewählt wurde. Das Präsidentenamt hatte er ja bereits 1934 übernommen und gab es auch erst 1949 ab. Es gab viel zu tun. So sagte Konrad Adenauer "bringt mir die Kölner wieder zum Lachen".

Eine Volkszählung in Köln ergab im Oktober 1946, dass 489 812 Personen ortsanwesend seien. Es hieß überall Schutt beseitigen "Schöppe es jitz Trump". Die Not war groß, ja selbst der Kardinal Frings versteht den Diebstahl aus Not. Die Reaktion aus seiner Predigt prägte einen Satz der noch heute in vieler Gedächtnis ist. "Mir jon fringse".

 Der Festausschuss des " Kölner-Karnevals" nimmt am 17. Januar 1947 seine Tätigkeit wieder auf. Als Präsident wird Alfred Bodde gewählt.

 Die Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" führt bereits 1947 die erste Nachkriegssitzung im Saal von Peter Lindscheidt aus. Wie in allen Worringer Gesellschaften war die Aufbauarbeit sehr mühsam, doch die Begeisterung nach der langen Enthaltsamkeit war so groß, dass alle Hindernisse mit Elan überwunden wurden.

1949 am 28. Februar. Der erste Rosenmontagszug in Köln der Nachkriegszeit lief unter dem Motto "Mer sin widder do un dun wat mer künne". Wie so oft, waren die Worringer wieder schneller am Ball. Denn schon im Jahre 1948 ging der Rosenmontagszug in Worringen, also ein Jahr früher als in Köln, unter dem Motto "Mer kann och alles üvverdrieve". Die KG "Löstige Junge" hatten hier den 4. Wagen unter dem Thema "Baulähmungsamt". Prinz Kaspar 2. (Sturm) vom Männergesangverein hatte hier das Zepter in der Hand. Als nun in Köln der erste Zug wieder ging führte man in Worringen bereits zum zweiten den Zug durch. Von 1949 bis 1951 wählte man Peter Bedburdick zum Präsidenten der KG.

 Nachdem Peter Leusch im Jahre 1951 die Präsidentenschaft übernommen hatte, war seine Prinzengestellung in der Session 1951/52 der erste große Höhepunkt im Nachkriegskarneval der "Löstige Junge". Gleichzeitig stellte sich 1952 das Neugegründete Tanzkorps der Gesellschaft vor, das in dieser aufblühenden Zeit mit seinem tänzerischen Können eine große Bereicherung darstellte und auch bis heute der Stolz der Gesellschaft ist.

Auf Silvester 1951 musste Worringen für immer von seinem Heimatdichter Matthias Fischer, besser bekannt unter dem Namen Mäthe Mattes, Abschied nehmen, der im Alter von 65 Jahren verstorben war. Er, der seit 1927 Ehrenpräsident der "Löstige Junge" war, wurde unter Teilnahme aller Karnevalsgesellschaften und vieler Ortsvereine, zur letzten Ruhe geleitet.

Aber erinnern wir uns auch an die Ereignisse 1951/52 in und um Köln. So hieß es am 4. Februar 1951 am Karnevalssonntag um halb zwölf; Der Kinderzoch bzw. der Schullzoch geht los. Die internationale Luftlinie London - Köln - Berlin wird eröffnet. Die Gemeinde Porz darf sich Stadt nennen. Die nackte Hildegard Knef erhitzt die Gemüter mit ihrem Film "die Sünderin". Die Aap is los; Boxer Peter Müller schlägt Ringrichter k.o..

Der Pkw - Verkehr rollt das erste Mal über die innere Kanalstraße.

 In der Session 1952/53 wurde ein guter Brauch aus der Vorkriegszeit in Worringen wieder aufgegriffen. Auf der Prinzenproklamation wird seitdem immer vom Bürgervereinsvorsitzenden "der Goldene Schlüssel von Worringen" dem Prinzen überreicht. Diese Zeremonie soll die Verbundenheit aller Worringer Bürger zu ihrem Heimatfest symbolisieren. aber nicht nur gute Zeiten voll Harmonie und Freundschaft durchlief die KG "Löstige Junge". So kam es im Dezember 1954 zu einer heftigen Diskussion im Fetskomitee des Worringer Karnevals. Es gab großen Knatsch über die Verteilung der Veranstaltungen und der Hader früherer Zeiten kam unter den Altkarnevalisten noch einmal voll zum Durchbruch. Das führte im Übereifer dazu, dass sich die KG "Löstige Junge" beim Festkomitee abmeldete um eigenständig Karneval zu feiern. Doch wie sollte es anders kommen! Kurz vor Karneval reichte man sich versöhnlich die Hände und alle zogen wieder vereint im Rosenmontagszug mit.

 Die Prinzengestellungen im Turnus von sechs Jahren erwiesen sich stets als Freudenfeste für alle Mitglieder. So waren nun in der Session 1957/58 wieder einmal die "Löstige Junge" gefordert. Mit Heinrich Sauer hatte man einen Mann zum Prinzen gewählt, der sich als langjähriger Bühnen- und Wagenbauer große Verdienste erworben hatte. Mit dem Zugmotto " Wä weiß wat kütt" nahm man alle auf uns zukommende Ereignisse auf die Schippe.

 Ein besonderer Höhepunkt im Gesellschaftsleben war das 50jährige Bestehen im Jahr 1959. Mit der Jubiläumssitzung und dem Prunkwagen "50 Jahre Löstige Junge" im Rosenmontagszug wurde es zünftig gefeiert. Dies sollte auch vorerst für einige Jahre das letzte Glanzlicht in der Gesellschaft gewesen sein.

Aber schauen wir auch noch einmal zurück auf das Geschehen in Köln. So wurde am 16. Februar 1953 der "Kaiserhof" eröffnet. In Köln wird der 50.000 Pkw zugelassen. Das "Roxy" Kino wird eröffnet. Die "Deutsche Welle" geht auf Sendung. Ja, das darauf folgende Jahr brachte noch mehr an Schlagzeilen hervor. So feierten die Fußballfans die Helden von Bern. In Köln sind zu dieser Zeit 4441 Fernsehgeräte angemeldet.

 Die Jahre vergingen und man schrieb bereits 1958. Für alle Kraftfahrer ein historisches Datum. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg richtet die "Verkehrssünderkartei" ein. Auch tanzt alle Welt "Hula-Hoop". Der aus Amerika kommender Trend fand auch bei uns schnell zahlreiche Anhänger. Die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. In Köln verzeichnet man eine Arbeitslosenquote von 1,3%. Die Beschäftigten lagen bei einem Jahreseinkommen von durchschnittlich 5819 DM brutto.

In dieser Zeit verlief das Vereinsleben bei den "Löstige Junge" ohne große nennenswerte Geschehnisse. Man entschloss sich im Jahre 1960, auch den Frauen das Recht einzuräumen, als aktives Mitglied der Gesellschaft beitreten zu können. Somit erkannte man frühzeitig die Gleichberechtigung der Frau auch im Karneval an.

 Erinnern wir uns aber auch der Ereignisse außerhalb des Vereinslebens. So verlor die Welt des Films 1960 zwei ihrer ganz Großen. Im Alter von 59 Jahren stirbt in Kalifornien Clark Gable, der als König von Hollywood bekannte Schauspieler. Das deutsche Publikum trauert um Hans Albers, der im Alter von 69 Jahren in Bayern stirbt.

Eine statistische Untersuchung ergibt, dass in Köln pro Jahr durchschnittlich 48.000 Straftaten begangen werden. Damit ist jeder neunte Kölner Bürger ein schwarzes Schaf. Auch darf ab sofort in Kölner Bahnen und Bussen nicht mehr geraucht werden. Nicht verschweigen wollen wir an dieser Stelle, dass der 1. FC-Köln am 12. Mai 1962 in Berlin zum ersten mal die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnt. Diese Meisterschaft der Geißböcke löste den zweiten Karneval aus. So schreibt man unter anderem "Köln ist ewig jung und frisch". Schaut man sich die Bilder aus dieser Zeit an, so bemerkt man die Unbekümmertheit und Fröhlichkeit der Menschen.

Die Session 1963/64 stand unter dem Zugmotto : "Jeder deit wat hä kann". Mit Peter Könen stellte die KG "Löstige Junge" erneut den Worringer Prinzen.

Bei der Gestaltung des Rosenmontagszuges tat im wahrsten Sinne des Wortes ein jeder was er konnte. Viele originelle Gruppen gaben diesem Zug die rechte Würze. Aber auch Weiberfastnacht wurde wie so oft ausgelassen gefeiert. In wunderschönen alten Kostümen zogen die Möhnen in Gruppen durch die Straßen unseres Ortes. Die Begeisterung der Möhnen schlug solche Wellen, dass letztendlich der Prinz mit seinem Gefolge seine Besuche auf das Prinzenlokal begrenzen musste. Denn bei seinen Rundgängen durch Worringen wurde der Prinz dermaßen von den ausschwärmenden Möhnen strapaziert, dass er vor lauter Bützger aussah wie ein Clown. Auch am Ornat des Prinzen fehlten nach kurzer Zeit alle Knöpfe und Ehrenzeichen. So geschah es in Worringen Jahr für Jahr.

 Gustav Böhmer übernahm nun die Führung der Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" in dem er zum Präsidenten gewählt wurde.

 Die Welt drehte sich und so manch lieb gewonnenes verlor auch schnell wieder seinen Glanz. Die Entwicklung der Technik machte große Sprünge und so betritt der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Auch die Jugend der westlichen Welt flippt aus. Die Beatles machen mobil. Zu dieser Zeit wäre so vieles zu sagen. Das Rad der Zeit lief schnell und schneller.

 In der Session 1969/70 stellt die KG "Löstige Junge" den Worringer Prinzen durch Fritz Nitsche als "Prinz Fritz 2.", unter dem Zugmotto: "  Worringen international " .

 Ein Prinz der als Texter, Sänger und Büttenredner bestens bekannt war. Sein Rosenmontagszug präsentierte sich in einer bunten Palette internationaler Kostüme und witzigen Wagenthemen mit alten und neuen Motiven aus allen Erdteilen.

 Schon auf der 11. im 11. -Feier 1969 war für die Regierungszeit der Prinzen eine Neuregelung in Kraft getreten. Bisher galt ein Prinz ab seiner Proklamation bis zur Proklamation seines Nachfolgers fast über die gesamte nachfolgende Session als amtierender Prinz. Nimmt man die vorherige Zeitspanne als kommender Prinz hinzu, so war er in der Praxis damit zwei Jahre mit allen Verpflichtungen in Amt und Würden. Komiteepräsident Willy Miebach hatte schon seit Jahren mit Beharrlichkeit eine vereinfachte Lösung verfolgt. Nach dieser neuen Regelung tritt nun der Prinz schon ab Aschermittwoch von allen Verpflichtungen zurück und wird nur noch bis zur nächstfolgenden 11. im 11. -Feier als amtierender Prinz tituliert. Ab der Vorstellung des neuen Prinzen auf der Veranstaltung nimmt dieser als kommender Prinz alle Prinzenpflichten wahr, während sein Vorgänger von nun an als Vorjahresprinz vorgestellt wird.

In den Vorjahren war eine erforderliche Mehrheit im Festkomitee dafür nicht zu gewinnen. Erst die Bereitwilligkeit von Toni Müller, diese Reform in seinem Prinzenjahr zu befürworten und damit eine verkürzte Regierungszeit in Kauf zu nehmen, verhalfen diesen Bestrebungen zum Durchbruch.

In dieser Session erfolgte die Einführung eines neuen Festkomiteeordens als Erkennungszeichen für jedes Komiteemitglied. Nach einem Entwurf von Zuggestalter Heinz Klimke zeigt der Orden einen Narren, der ein Wappen in den Händen hält, auf dem in Längsstreifen die Farben aller Gesellschaften eingezeichnet sind, welche von einem goldenen Band umschlungen werden.

 Bis 1969 wurde auf Karnevalssamstag der amtierende Prinz zur Verabschiedung und der kommende Prinz zur Proklamation von zu Hause mit einem Fackelzug abgeholt und zum Saal geleitet. Auf Beschluss des Festkomitees wurde die Prinzenproklamation ab 1970 nicht mehr samstags vor Karneval durchgeführt, sondern auf den Freitag der Vorwoche vorverlegt. Diese Änderung ermöglicht es den Prinzen seitdem, bereits eine Woche früher bei allen Einladungen und Verpflichtungen in vollem Ornat mit ihrem Hofstaat zu erscheinen.

 Die Prinzenbesuche bei den Schulsitzungen, in den Kindergärten, im Krankenhaus, im Seniorenwohnheim, bei anderen sozialen Einrichtungen und vielen Clubs erweitern sich dadurch immer mehr zur Freude der Worringer Bevölkerung. Davon unberührt blieb jedoch der Fackelzug auf Karnevalssamstag mit der Abholung des Prinzen zur Gratulationscour.

 Bei der Prinzenproklamation wurde dem Komiteepräsidenten Willy Miebach von seinem Freund Robert Schneider eine von ihm selbst angefertigte, kunstvoll gearbeitete Präsidentenkette als Geschenk überreicht.

 Als Nachfolger von Christian Meurer hatte Karl-Heinz Dünwald dessen Erbe Pianist und verantwortlicher für die musikalischen Darbietungen des Festkomitees angetreten. Mit ihm sollen auch gleich weitere Musiker aus der jüngeren Zeit genannt werden, die in der gleichen Funktion in der Gesellschaft tätig waren oder sind. Zudem schrieben sie viele Arrangements und traten ebenso als Komponisten in Erscheinung. Zu ihnen gehörten: Alfons Stamm, Josef Goritzka, Hans-Josef Blömacher, Heinz Schnitzler und Klaus Weber.

 An den Karnevalstagen hatte Norbert Meurer mit seinem Kompagnon Hans-Josef Schmitz ein Festzelt auf dem Zillikensplätzchen aufgestellt. Nach der Session wurde der Saal Matheisen-Meurer im Mai 1970 geschlossen und später zu einem Hotel umgebaut. Damit war ein alter Traditionssaal des Worringer Karnevals verloren gegangen. Schon im vergangenen Jahrhundert gehörte er zu den Hochburgen des Worringer Karnevals und war vor allem an Weiberfastnacht traditioneller Treffpunkt vieler Möhnen.

Unserem Stadtverordneten und Bürgervereinsvorsitzenden, Arnold Zillikens, wurde am 21. Februar 1970 zu seinem 75. Geburtstag eine Gratulationscour dargebracht.

 Der Gründer und Ehrenpräsident der Festkomitees, Christian Dünwald, verstarb am 11. April 1970 im Alter von nahezu 70 Jahren. Eine große Zahl seiner Karnevalsfreunde aus allen Gesellschaften gaben ihm das letzte Geleit.

Erinnern wir uns auch an weitere Geschehnisse um uns. Mit der geglückten Mondlandung von Apollo 15 gelingt der Menschheit eine weitere erfolgreiche wissenschaftliche Unternehmung. Am 17. Februar 1972 verlässt der 15 millionste VW - Käfer die Werkshalle. Viele technische neue Errungenschaften machen Schlagzeilen. Jedoch die Menschen wurden immer hektischer und unruhiger. Das Wort "kenn Zick" macht mehr und mehr die Runde.

Im Juni 1974 ein Schock für viele Karnevalsvereine in und um Köln. Der Zusammenbruch der "Kölner Herstatt- Bank" weitet sich zum größten Bankenkrach seit der Weltwirtschaftskrise 1929 aus. Hatten doch viele Vereine ihre gesparten Gelder zu günstigen Zinsen bei Herstatt angelegt. Sollte etwa alles futsch sein? Fest steht heute, dass viele ihr Geld verloren haben.

 Ungeachtet dessen stand die Session 1975/76 vor der Tür. Die Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" stellte mit Gustav Böhmer den Worringer Prinzen. Unter dem Namen "Gustav 1:" und dem Zugmotto: "Sprichwööt sin Wohrwööt" erklang bei der Vorstellung des neuen Prinzen auf der 11. im 11. -Feier traditionell auch der neue Prinzenschlager.

Alaaf dem Prinz, Alaaf dem stolze Kääl, hä es för uns su kostbar wie en Paäl

So sang man lautstark aus allen Kehlen. Von nun an wird der Prinzenschlager bei allen Prinzenbesuchen während der gesamten Session vorgetragen. Erfreulicherweise hatten sich Texter und Komponist immer mehr bemüht, der Bedeutung eines zündenden Prinzenschlagers Rechnung zu tragen.

Damit hat sich der jeweilige Prinzenschlager zunehmend zu einem echten Hit im Worringer Karneval entwickelt, der bei allen Prinzenbesuchen, von den Kindergärten bis zu den Senioren begeistert mitgesungen wird.

 Das Zugmotto, "Sprichwööt sin Wohrwööt" bot den Zuggestaltern reichlich Stoff, die Deutung überlieferter Sprichwörter humorvoll zu parodieren und zu persiflieren.

 Nach der Neugestaltung der Pankratiusstraße im Volksmund "En der Hött", fand auf der Worringer Spätkirmes am 16. September 1976 gleichzeitig die Neueinweihung dieser Straße mit einem "Höttefeß" statt. Dieses vom Schnupfverein ausgerichtetes Volksfest, dessen Erlös der Seniorenhilfe in Worringen zugute kommt, ist inzwischen schon zur Tradition geworden und von Beginn an ein beliebter Treffpunkt der Worringer Karnevalisten. Heute noch stellt sich der alljährliche Fackelzug dort auf um den Prinzen abzuholen. Auch spricht man von der Prinzenmeile, weil dort die meisten Worringer Prinzen ihr Zuhause haben.

Im Jahre 1977 entschloss sich die Gesellschaft ein Jugendkorps zu gründen, um die etwas größeren Kleinen und die noch nicht alten Großen in der Gesellschaft fest zu etablieren. Diese Form der Jugendarbeit zeigt bis heute große Erfolge.

1981/82, stellte erneut die KG "Löstige Junge" den Prinzen in Worringen. Mit Prinz Franz 2.,Franz Hüsch, unter dem Zugmotto : "Folklore der Welt" prägt diesen farbenfrohen Rosenmontagszug Buntkostümierte Folkloregruppen und Wagendarstellungen aus allen Erdteilen. Vor allem die Vielfalt der Volkloregruppen gab Zeugnis von dem Fleiß und Können der emsigen Kostümnäherinnen. Diesen Frauen gebührt ein besonderes Lob. Vor Karneval sitzen sie oft wochenlang an der Nähmaschine, um mit viel Aufwand und Phantasie ganze Gruppen einzukleiden.

Alle Neuerungen und organisatorischen Verbesserungen hatten sich inzwischen so eingespielt, dass die gesamten Veranstaltungen turnusmäßig und problemlos in einen optimalen Ablauf hineingewachsen waren. Bedenkt man, in welchem Umfang der Nachkriegskarneval begonnen hatte, so ist das keine Selbstverständlichkeit. Doch die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit der Festkomiteemitglieder unter der umsichtigen Leitung ihres Präsidenten Willy Miebach trug ihre Früchte. Mit Anpassung an Zeiteinflüssen, Mut zum Risiko bei Neuerungen und Flexibilität hat dieses Gremium unser Heimatfest in Umfang und Qualität aufgewertet und stabilisiert.

Die Verpflichtung der Prinzen ab ihrer Proklamation waren immer umfangreicher geworden. In den letzten Jahren hat die Fa. Merling bei Engpässen bereits einen Kleinbus zur Verfügung gestellt. Der Initiative von Prinz Franz Hüsch war es jedoch gelungen, erstmals einen Ford - Transit für alle Prinzenbesuche zu erhalten. Es war die Kölner Firma R&S Mobile Raths OHG, die seitdem alljährlich einen fabrikneuen Transit dem Prinzen kostenlos zur Verfügung stellt.

Das in der Vergangenheit an den Karnevalstagen benutzte Festzelt wurde ab 1982 nicht mehr aufgestellt und alle Veranstaltungen entfallen somit auf den Saal Willi Gladbach. Auf der Jahreshauptversammlung des Festkomitees vom 23. April 1982 schied der Zugleiter Heinz Dünwald aus seinem Amt aus. Während seiner langjährigen Tätigkeit als technischer Berater, Zuggestalter und Zugleiter hat er mit dem Aufbau des Nachkriegskarnevals sicherlich ein Stück Worringer Karnevalsgeschichte mitgeschrieben. Für seine großen Verdienste wurde er zum Ehren-Zugleiter ernannt. Sein Nachfolger wurde Heinz Klimke, der als ehemaliger Zuggestalter bestens mit der gesamten Materie vertraut war.

 Aber auch die Welt machte Schlagzeilen. So kam 1982 das erste Retortenbaby in der Uniklinik Erlangen zur Welt. Helmut Kohl übernahm das Amt des neuen Bundeskanzlers.

In der Session 1984/85 konnte die Gesellschaft das 75jährige Jubiläum mit einem großen Empfang in der Volksbank Köln-Nord e.G. feierlich begehen. Hierbei wurden zwei verdiente Mitglieder, Karl Stier und Toni Dreschmann, zu Senatoren ernannt. Wobei Toni Dreschmann in dieser Session zum Senatspräsidenten gewählt wurde.

In der Session 1987/1988 stellte die KG wieder den Worringer Prinz mit Hans Büttgen als Prinz Hans II.

 Im Jahr 1990 blickte Gustav Böhmer auf seine 25jährige Tätigkeit als Präsident zurück und feierte dies mit den Gesellschaftsmitgliedern gebührend im Vereinshaus. In diesem Jahr übergab Gustav Böhmer auch sein Präsidentenamt an Paul Dieter Bally, der jedoch nur eine Session der KG zur Verfügung stand. Dietmar Knüppel wurde aus den Reihen der Löstige Junge als neuer Präsident gewählt und blieb bis 1995 in diesem Amt.

 1992 entschloss man sich innerhalb des Vereins, in Anerkennung für den Worringer Karneval geleisteten Verdienste, die aus der KG "Löstige Junge"gestellten Prinzen, zu Senatoren zu ernennen. Im Jahre 1983 feierte Bernd Weth, der die Farben seiner Gesellschaft als Herold im Worringer -Karneval vertritt, das 25jährige Heroldjubiläum. Eine Leistung die sicherlich seines gleichen sucht. Kurze Zeit später gab er dieses Amt ab.

 In der Session 1994/95 stellte die KG den Worringer Prinzen mit Stephan Hittmeyer als Prinz Stephan 1.. Nach seinem Prinzenjahr übernahm Stephan Hittmeyer auch das Amt des Präsidenten der KG, welches er bis zur Niederschrift der Chronik inne hat.

Bis zur Session 1996/97 konnten 11 Freunde der Gesellschaft zu Ehrensenatoren berufen werden. Man feierte das 88jährige Vereinsbestehen gemeinsam mit allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern im Krebelshof. Eine Feier wo man lange von sprach. In den darauf folgenden Jahren kam nichts Weltbewegendes auf die Karnevals-gesellschaft "Löstige Junge" zu. Man entschloss sich 1999, durch demokratische Wahlen, für Volker Lippert als Prinzen in der Session 2000/2001. Als Prinz Volker der 1. führte er die Worringer Narren durch die Session, getreu seinem Motto:

Övverall ne andere Klaaf, nix jeht övver Wurringe Alaaf.

 2,9 Millionen Hektoliter Kölsch wurden im Jahr 1999 getrunken. Das entspricht 15 Milliarden Glas Kölsch. Und glauben sie mir, einige davon sind auch von den Mitgliedern der Karnevalsgesellschaft "Löstige Junge" getrunken worden.

  Mit freundlicher Genehmigung

Der Chronist

1/2000

©Wolfgang Mattler

               Ehrensenator der KG "Löstige Junge"

 

Chronik ab dem nächsten Jahrtausend

Noch einen Dank an Wolfgang Mattler der die Chronik bis zur Jahrtausendwende geführt hatte.

Dieser Dank kommt von Herzen, da es ja immer schwerer ist und wird Zeitzeugen zu finden!

 

Das Weltgeschehen wurde auf den Kopf gestellt, beim Jahreswechsel 1999 auf 2000.

Man hatten Angst das alle Computer abstürzten und nicht mehr funktioniert (kein Strom, keine Energie mehr, usw.) das absolute Chaos, ein Horror Szenario

Na Gott sei Dank kam alles anders und alles blieb beim Alten.

 

Das neue Jahrtausend konnte dann auch richtig positiv begonnen werden. Unser Mitglied Rolf-Heinz Boes hatte es sich nicht nehmen lassen, uns eine Schenkung in Form eines eigenen Traktors zu überreichen. Die Wagenbauer machten das Gefährt zur Augenweide im Rosenmontagszug.

Gerhard Höschler hat dazu beigetragen, dass das Jugendtanzcorps heute über eine eigene Standarte verfügen kann.

 

Im Festkomitee 2001 wurde ein weiterer Arbeitskreis, der AK Übungsleiter,

ins Leben gerufen, um die Tanzgruppen in den Worringer Vereinen und Gesellschaften bei der Suche und Koordination von Proberäumen zu unterstützen.

Vor dem Kinderzug an Karnevalssonntag gab es 2001 eine für die Karnevalisten böse Überraschung.

Die Lehrer beider Grundschulen gaben ihre Aufgabe den Kinderzug als schulische Veranstaltung auf. Auch hier war wieder die Koordination des Festkomitees gefragt, der Schulrat von NRW, die Rektoren beider Schulen Frau Rehm und Frau Frede, der Zugleiter Herman Josef Köhne, Festkomitee Präsident Robert Schneider und von der KiKa (sprich Kinder Karneval) Wolfgang Bovelett und Manfred Schüller einigten sich insofern das der Kinderzug weiterhin von der Schule ausgehen darf und die Räumlichkeiten der Schule genutzt werden dürfen.

Seither geht der Zug unter der Leitung des KiKa durch die Worringer Straßen.

 

Während des Jahres kam es zu einem Wechsel an der Spitze des Festkomitees.

Heinz Pesch übernahm das Präsidentenamt von Robert Schneider.

 

Der erste Prinz der K.G. " Löstige Junge" im neuen Jahrtausend war 2001 Volker Lippert.

Ein echter Jung aus Bayern mit dem passenden Motto:

„Övverall ne andre Klaaf, nix jeht övver Wurringe Alaaf“.

In der Session 2001/2 konnte unser Tanzkorps sein 50jähriges Bestehen feiern.

 

Im Jahre 2002 war man sich auch relativ schnell darüber einig, dass die Kosten für eine Kapelle, im Dienstagstreck, so hoch waren das man sich diese nicht mehr leisten könne. So kam man schnell auf die Idee mal rund zu frage, wer denn ein Instrument spielen könne?

Und schon auf der nächsten Versammlung konnte dem Vorstand mitgeteilt werden, dass wir für den Dienstag 2003, eine Kapelle aus den eigenen Reihen haben. Ein Name war schnell gefunden:

„Die Dienstagsblöser“ unter dem Motto „jeck op Dur un Moll“

 

Die KZG(Karnevals Zug Gesellschaft) Jammertal schied im Jahr 2002 aus,

Leider löste sich dann 2003 eine weitere Zuggesellschaft auf. „De Hötte Junge“. Aus dem Festkomitee kam es  2003 zur Gründung des Förderkreis Worringer Karneval. Seine Aufgaben, erhaltenswertes Brauchtum, dessen Pflege und Förderung es zu unterstützen gilt. Mit Hilfe des Förderkreises konnte auch das Problem Wagenbauhalle zum Teil behoben werden.

Da es bis heute nicht gelungen ist, ein geeignetes Grundstück für den Bau einer eigenen Halle zu finden, wurde in unserem Nachbarort Rheinkassel eine Halle angemietet.

 

Im Jahre 2005 kommt es in Deutschland zu zwei Sensationen, eine Frau! Angela Merkel wird Bundeskanzlerin und ein deutscher wird Papst. Joseph Kardinal Ratzinger, der Name des 265. Papstes lautet Benedikt XVI.

Nicht nur Deutschland und Rom wählten, gewählt wurde auf der Generalversammlung der nächste Prinz!  Erhard Just.

In der Session 2006/7 war es dann soweit die Löstige Junge stellten mit Erhard Just als Prinz Erhard I. den Prinz zu Worringen. Mit seinem Motto:                   "Wo kleine Lück un huh Diere zosamme Fastelovend fiere" führte er uns durch die Karnevalssession.

Nach einem erfolgreichen Prinzenjahr standen Neuwahlen des kompletten Vorstandes an. Bei der Generalversammlung wurde Gerhard Höschler zum neuen Präsidenten der Gesellschaft gewählt, und löste damit nach 12 Jahren, Stephan Hittmeyer ab. An seiner Seite steht Vizepräsident Manfred Schüller.

Die erste Amtshandlung war die Gemeinnützigkeit ins Leben zu rufen, am 12.10.2007 wurde mit Mehrheit beschlossen, das die Gesellschaft zukünftig, ein eingetragener Verein (e.V.) wird. So bekamen wir den Wohlklingenden Namen:

Karnevals Gesellschaft Löstige Junge von 1909 e.V. Blau Wiess

 

Eine Sensationsmeldung kam aus den USA. Barack Obama, der erste Afroamerikaner wurde im November 2008 zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

Und im Festkomitee kam es auch zum Führungswechsel, Heinz Pesch gab den Präsidentenstab an Klaus Dittgen weiter.

Und die Autofahrer waren über die Benzinpreise nicht sonderlich erfreut. An der Tankstelle mussten wir im Durchschnitt 1,46 Euro pro Liter Superkraftstoff bezahlen. Diesel kostet 1,33 € pro Liter.

Im Januar 2009 feierte die Gesellschaft ihr 100 Jähriges Bestehen.

Die Karnevalsgesellschaft Löstige Junge blickt  Stolz auf 100 Jahre Vereinsleben  zurück.

Im Rahmen einer Ausstellung, in der Worringer Geschäftsstelle der Sparkasse Köln-Bonn zeigten wir den Interessierten Worringer Bürger, vom 05. – 23. Januar 2009, einen Einblick in unser Vereins- und Gesellschafts- Geschehen der letzten 100 Jahre.

Um dem ganzen einen würdigen Rahmen zu verleihen, feierten wir mit geladenen Gästen,

der Gesellschaft und unserer Treuen Rosenmontags Kapelle, Musikverein Lichtenberg e.V. im sogenannten„ Kuhstall“ des Krebelshof.

Leider ist heute nicht mehr bekannt, wie viele runde Jubilare es in den ersten 100 Jahren gegeben hat.

Die Jubilare, sind aber schon genau zu dieser Zeit eingetreten, so haben wir bereits jetzt schon Mitglieder die 40, 50, oder sogar schon 60 Jahre in der Gesellschaft sind.

Die KG Löstige Junge freut sich auf die nächsten 100 Jahre, und das natürlich mit “Humor und Scherz” erfreuen wir die Worringer Herzen.

 

2010 war in Worringen das große Kneipensterben, leider traf es auch unsere Gründerkneipe, (zum Amerikaner), die auf dem Lievergesberg seit 1876 ihren Ausschank hatte, und nach mehreren verschiedenen Namen zum Schluss 2010 als (Onkel Paul) die Türen für immer schloss.

 

2011 ein Jahr, das die Welt medial in seinen Bann zog, war die Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton im April in London.

Ein Millionenpublikum verfolgte die Trauung an den Bildschirmen.

Auch für uns Worringer Karnevalisten ist das Jahr 2011, wieder erwähnenswert, da wieder ein Prinzenjahr im Fokus stand, und auf der Generalversammlung Gerhard Höschler genau zu diesem gewählt wurde.

Und zum anderen ist es 125 Jahre her, dass ein erster Zusammenschluss der Karnevalisten in Worringen zusammengefunden hat. Dies sollte Grund zum Feiern sein.

125 Jahre Festkomitee Worringer Karneval, auch dieses Ereignis wurde Gebührend gefeiert.

In dieser Zeit war es nicht immer einfach man war sich nicht immer Grün „Einer war dem anderen sein Teufel“ an solche Sachen, wie zum Beispiel Vereinigte Tanzpaare war gar nicht zu denken.

Aber in der heutigen Zeit bleibt uns auch nichts anderes mehr übrig als an einem Strang zu ziehen.

        

Der KIKA (Kinder Karnevalzug) feierte 2012 sein 40jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass war im Januar eine kleine Ausstellung in der Zweigstelle Worringen der Sparkasse Köln/Bonn.

Das Gründungsjahr (Ausschuss der Worringer Grundschulen) war dann 1972.

Dort konnte man die Geschichte des Worringer Kinderkarnevals, (seit 1928) bis heute nachlesen.

Der KiKa ist mittlerweile eine feste Intuition im FK.

 

 

Mit dem Motto „Dä Prinz jit Jas und Wurringe hät Spaß“ führte uns und die Worringer Narren, Prinz Gerd I., Gerhard Höschler, durch die Session 2012/2013.

Das Zug Motto des Kinderkarnevalszugs Sonntag:   „Janz  schnell jeck“

Zug Motto, für den Rosenmontagszug: „Of langsam oder flöck, et Levve is verröck“

 

Nach dem Prinzenjahr 2012 ,2013 gab es Unstimmigkeiten in der Gesellschaft, was zu Folge hatte das es mehre Austritte gab, mehr als es der Gesellschaft gutgetan hätte.

Nach der Generalversammlung, kam dann der Umbruch und der Vorstand wurde neu gewählt, ab da übernahm Manfred Schüller als Präsident und Peter Birobran als Vize die Geschicke der Gesellschaft in die Hand.

Die Gesellschaft war mittlerweile auf die Hälfte ihrer Mitglieder geschrumpft.

Man war sich aber schnell darüber einig, dass es weitergehen musste, und wir nicht den Kopf in den Sand stecken, also wurden die Ärmel hochgekrempelt.

Und wie Phönix aus der Asche, mit nur 60 treuen Mitgliedern, machten wir uns gemeinsam an den Neuanfang. „Totgesagte leben länger“!

Und der Erfolg gab uns Recht und rückblickend sieht man es hat sich gelohnt.

 

2014 - Ein Fußball-Märchen wurde wahr

Spannender ging es kaum. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wurde zum absoluten Straßenfeger und letztendlich schafften die Jungs von Jogi Löw dass schier Unglaubliche – Deutschland wurde Weltmeister.

 

Und in Worringen, Erster Worringer Weihnachtsmarkt, das lag den Worringer schon lange auf der Seele, und somit ein voller Erfolg.

 

Und bei den Löstige Jungen wurden, was lägst überfällig war, Verdiente Mitglieder in den Senatsstand zu erheben, den Senat gab es schon lange Zeit, wurde aber über Jahre vernachlässigt.

Nach einer Wahl der „neuen“ und alten Senatoren,  wurde Stephan Hittmeyer Senatspräsident.

Und was schon lange in den Schubladen lag, einen Spielenachmittag aus der Taufe zu heben, um den Kindern und der Jugend gerecht zu werden, diese zu fördern, und an die Gesellschaft (im positiven Sinne) zu binden.

Das es Sinn macht und sich lohnt die Jugend zu fördern zeigt, sich allein schon in der Tatsache, dass man etwas Langjähriges mit auf den Weg gibt, so konnten im Jahr 2017 zwei Jubilare gefeiert werden, an die bei der Gründung niemand gedacht hätte:

Die Kindersitzung jährte sich zum 20. male.

Und das Jugendtanzscorps darf sogar auf 40 Jahre schauen.

Das Kindertanzcorps blickte im Jahre 2018 auf sage und schreibe 60 Jahre zurück und ist somit bereits eine Institution im Worringer Karneval.

 

Es war viel Arbeit, und ein langer Weg, doch bereits im Jahre 2017 konnten wir mit annähernd 100 Mitgliedern, positiv in die Zukunft blicken.

Und wer hätte das gedacht, auf der Jahreshauptversammlung (Generalversammlung) konnten wir einen Prinzen für das Prinzenjahr 2019 Wählen.

Das bestätigt uns, wir sind auf dem richtigen Weg, im Prinzenjahr 110 Jahre!

 

Der Chronist ;

nach Wolfgang Mattler (bis 2000),

und ab dem nächsten Jahrtausend

 

©Manfred Schüller: 2018